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Nastja – Die bloggende Mox

Einstieg in den 3D-Druck

3D-Druck ist keine Zauberei und erfordert längst kein Ingenieurstudium mehr. Dieser kleine Einblick soll den Einstieg in die Welt des 3D-Drucks erleichtern. Es ist keine Anleitung, sondern soll nur die Themen vorstellen, mit denen man sich beim 3D-Druck beschäftigen wird und eine kleine Grundlage vermitteln, die hilft zu entscheiden, ob 3D-Druck etwas für einen ist. Die Technologie hat sich so weit entwickelt, dass sie heute für jeden zugänglich und finanziell erschwinglich ist.

 Vom 2.8.2026, Workflowupdate am 19.8.2026

Bild eines 3D-Druckmodells des Raumschiffs Serenity aus der Serie Firefly.Bild eines 3D-Druckmodells des Raumschiffs Serenity aus der Serie „Firefly – Der Aufbruch der Serenity“

Ein Leitfaden für Anfängerinnen und Anfänger – und solche, die es werden wollen

Nämlich so: Um mit dem 3D-Druck zu starten, greift man am besten zu einem FDM-Drucker der Marke Strohmann V 1.21. Anschliessend wird die Hauptplatine durch ein SilentBoard ersetzt, die Federn des Druckbetts sowie der Riemen des Y-Motors und die Düse am Hotend werden gegen eine 0,4-mm-Stahldüse getauscht. Zuletzt noch den Zuführschlauch für das Filament wechseln und … ist alles klar?

Wenn nicht, dann hilft dieser Leitfaden vielleicht weiter. Denn so schwer, wie es in manchen alten Forenbeiträgen noch zu lesen ist, ist es zum Glück nicht mehr. Es hat sich viel getan: Heutzutage kann jeder, der Interesse, Zeit und ein wenig Geduld mitbringt, relativ einfach in den 3D-Druck einsteigen.

Wenn du bereits Erfahrung im 3D-Druck hast oder technisch und mechanisch sehr begabt bist, ist dieser Leitfaden nichts für dich. Ebenso wird er nicht ausreichen, wenn du den Druck professionell betreiben willst und ökonomische Effizienz sowie maximale Qualität unabdingbar sind.

Wenn du jedoch noch nicht weisst, ob und wie du anfangen sollst – und vor allem nicht, ob du dir das selbst zutraust – kann dir der folgende Text hoffentlich helfen. Er führt dich in die Welt des 3D-Drucks ein und erklärt alles von Grund auf.

Bitte beachten: Es werden hier keine konkreten Tutorial bereitgestellt, da diese je nach Druckermodell und -technik variieren. Ebenso gibt es keine festen Arbeitsanweisungen für das perfekte Druckergebnis. Mein Ziel ist es nicht, eine Anleitung zum perfekten 3D-Druck abzuliefern, sondern vorzustellen, was 3D-Druck ist und welche Themen euch beschäftigen werden.

Informationen im Internet zum 3D-Druck

Lange Zeit war der 3D-Druck Nerds und handwerklich Begabten vorbehalten. Das spiegelt sich auch in der Fülle an Informationen im Internet wider: Zwar findet man viele nützliche Tipps, doch vieles, was empfohlen wird, ist heute nicht mehr erforderlich und hat sich überlebt. Die Technik hat sich weiterentwickelt und ist deutlich benutzerfreundlicher geworden.

Es empfiehlt sich daher stets, auf das Veröffentlichungsdatum der Beiträge zu achten. Gerade beim Einstieg sind der Grossteil der Einstellungen und Optimierungsmöglichkeiten oft noch gar nicht so wichtig, wie manche Vollprofis nahelegen. Für alles andere – von Druckproblemen bis hin zum Wechsel von Ersatzteilen – findet man im Internet jedoch in der Regel sehr gute und einfach verständliche Informationen sowie Anleitungsvideos.

Ich werde hier bewusst keine konkreten Kanäle verlinken, die Suche danach überlasse ich euch. Zwei Tipps möchte ich euch dennoch mitgeben:

  • Schaut euch nicht im Voraus zu viele Tutorials an, sondern fangt einfach an. Die Probleme, aus denen man am meisten lernt, treten ohnehin von selbst auf.
  • Seid zurückhaltend gegenüber absolutistischen Aussagen wie «Das geht so und nicht anders». Versucht es einfach auf eure Art oder mit den Standardeinstellungen – oft erzielt man mit wenig Aufwand sehr gute Ergebnisse.

3D-Drucktechniken und -materialien

Es gibt verschiedene Drucktechniken und Materialien für den 3D-Druck. Doch welche Technik ist die richtige für den Einstieg?

Welche Drucktechnik verwenden?

Für den Einstieg kommt fast ausschliesslich FDM (Fused Deposition Modeling) in Frage. Dabei wird ein Filament (ein Kunststoffdraht) durch eine heisse Düse geschmolzen und schichtweise zu einem Modell auf einer Druckplatte aufgebaut. FDM ist einfach zu bedienen und kostengünstig.

Der Vollständigkeit halber eine Übersicht der drei gängigsten Drucktechniken:

  • FDM (Fused Deposition Modeling): Ein Kunststoffdraht (Filament) wird erhitzt und durch eine Düse schichtweise aufgetragen. Dies ist das Standardverfahren für Hobby-Einsteiger.
  • SLA (Stereolithografie): Ein flüssiges Harz (Photopolymer) wird durch einen Laser oder eine Lichtquelle punktgenau und schichtweise ausgehärtet. Dieses Verfahren bietet eine sehr hohe Detailgenauigkeit und glatte Oberflächen, erfordert jedoch den Umgang mit chemischen Harzen.
  • SLS (Selective Laser Sintering): Ein Pulver (aus Kunststoff oder Metall) wird mit einem Laser lokal verschmolzen. Stützstrukturen sind oft nicht nötig, da das umgebende Pulver das Objekt stützt. Dies ist ein industrielles Verfahren.

Eine PLA-Filamentrolle für FDM

 

Welches Material für einen FDM-Drucker verwenden?

Es gibt diverse Filamentmaterialien. Für eine einfache Handhabung zu Hause kommen jedoch primär zwei Typen in die engere Auswahl: PLA und PETG.

PLA (Polymilchsäure): PLA ist das einfachste Material zu verarbeiten und funktioniert auf fast jedem FDM-Drucker. Hauptsächliche Eigenschaften: Sehr leicht zu drucken, geruchsarm, günstig, steif und bis ca. 50 °C formstabil. PLA wird aus nachwachsenden, pflanzlichen Rohstoffen wie Maisstärke oder Zuckerrohr hergestellt und ist ein biobasierter Kunststoff. Es ist ideal für den Einstieg und zum Drucken von allerlei Modellen. PLA ist deutlich weniger anfällig für Luftfeuchtigkeit als PETG.

PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol): Dieser Kunststoff ist stabiler, bis 70 °C hitzebeständiger, wetterfest und härter als PLA. Der Druck erfordert etwas mehr Aufwand und Know-how. Oft ist ein geschlossenes Gehäuse für den Drucker, wasserdichte Aufbewahrungsbehälter und Trockenboxen für die Filamente nötig. Chemisch basiert PETG auf dem bekannten PET, aus dem auch Getränkeflaschen bestehen. PETG nimmt sehr leicht Luftfeuchtigkeit auf. Bereits nach wenigen Tagen offener Lagerung (in feuchten Räumen oft schon über Nacht) kann das Material so viel Wasser absorbieren, dass die Druckqualität massiv einbricht. Das Filament muss dann erst wieder getrocknet werden.

Hinweis: Sowohl PLA als auch PETG sind theoretisch recycelbar, auch wenn dies in der Praxis selten erfolgt. Beide Filamente sind in vielen Farben erhältlich.

TPU und ABS: Die beiden anderen gängigen Materialien, TPU (flexibel) und ABS (hart), sind für Einsteiger weniger geeignet. Beide sind nur sehr schwer zu drucken und erfordern spezielle Druckausstattungen (z. B. beheizte Kammern). ABS stösst beim Druck gesundheitsschädliche Dämpfe aus, weshalb zwingend eine effektive Abluftanlage erforderlich ist. Im Sinne einer einfachen Einführung in den 3D-Druck zu Hause werden diese Materialien daher hier nicht weiter betrachtet.

Ist 3D-Druck lebensmittelecht?

Auch wenn manche Materialien als lebensmittelecht beworben werden, rate ich davon ab, 3D-Drucke im Küchenbereich (z. B. für Tassen oder Schüsseln) einzusetzen. Ein 3D-Druck besteht aus unzähligen kleinen Schichten und mikroskopisch kleinen Poren. In diesen Ritzen setzen sich Lebensmittelreste, Feuchtigkeit und Keime fest, die sich durch normales Abwaschen nicht mehr entfernen lassen. Eine hygienische Reinigung ist daher kaum möglich.

Welches PLA-Material sollte ich wählen?

Was? Es gibt auch noch verschiedene PLA-Materialien? Leider ja. Da es keine einheitliche Normierung gibt, können die Bezeichnungen je nach Hersteller variieren. Generell unterscheidet man jedoch drei verschiedene Arten, die von allen PLA-fähigen Druckern gedruckt werden könnn: 

  • PLA (Standard): Das klassische Material für den normalen Druck.
  • Hyper-PLA (oder PLA Speed): Speziell optimiert für sehr hohe Druckgeschwindigkeiten.
  • PLA+: Eine verbesserte Variante, die robuster, zäher und weniger brüchig ist als Standard-PLA.

Meine Empfehlung für den Heimgebrauch ist PLA+. Es bietet das beste Verhältnis aus Druckfreundlichkeit und mechanischer Stabilität. Eine kleine Auswahl an verschiedenen Farben schadet übrigens auch nicht.

Packungen mit 1kg-PLA-Filamenten in verschiedenen Farben

Der 3D-Drucker

Butter bei die Fische: Es wird Zeit zu entscheiden, welchen Drucker wir wählen und worauf wir bei der Anschaffung achten müssen.

Hersteller und Modell

Die Auswahl an 3D-Druckern ist riesig, und die Preise nach oben sind kaum begrenzt. Für den Einstieg empfehle ich ein günstiges Modell im Bereich von 200 bis 250 Franken. 

Ich selbst nutze einen Creality Ender 3 V3 KE (ca. 200 Franken) und bin sehr zufrieden damit. Er druckt alles in guter Qualität. Natürlich gibt es hochwertigere Geräte, und viele Nutzer schwärmen von Marken wie Bambu Lab oder Prusa und deren überlegener Leistung. Das ist durchaus möglich, doch ist der mitunter 2- bis 10-fach höhere Preis für den Anfang gerechtfertigt?

Für Anfänger, die herausfinden wollen, ob 3D-Druck etwas für sie ist, und die die Grundlagen lernen möchten, reicht ein günstiger Drucker nicht nur aus, sondern liefert bereits hervorragende Ergebnisse und gute Möglichkeiten sich in das Thema reinzuarbeiten.

Was man für die Anschaffung beachten sollte

Die wichtigsten Kriterien für die Entscheidung welches Gerät man anschaffen will:

Geschwindigkeiten: Drucker arbeiten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Mein Gerät, der Creality Ender 3 V3 KE, hat typische Geschwindigkeit von 300 mm/s. Ich habe festgestellt, dass man gefühlt 90 % aller Probleme vermeidet, wenn man nicht schneller als 150 mm/s druckt. Das einfachere Modell meines Druckers ist auf 180 mm/s ausgelegt, was theoretisch ausreichen würde. Dennoch halte ich etwas Reserve für sinnvoll, weshalb ich mich für das schnellere Modell entschieden habe.

Auto-Leveling (Nivelierung): Der Druck erfolgt auf einer Metallplatte, die nie zu 100 % eben ist. Mit Auto-Leveling wird die Platte automatisch kalibriert und Unebenheiten erfasst. Toleranzwerte zwischen 0,05 mm und 0,20 mm gelten als gut bis normal. Diese Unebenheiten sind für das blosse Auge unsichtbar, werden aber durch das Auto-Leveling problemlos kompensiert. Ein manuelles Nivelieren der Platte entfällt dadurch.

Anzahl der Filamente & Mehrfarbendruck: Die meisten einfachen 3D-Drucker verfügen über eine einzelne Düse. Das bedeutet: Man druckt jeweils nur eine Farbe pro Auftrag, kann aber zwischen den Drucken das Filament wechseln. Das reicht völlig aus für den Einstieg. Teurere Modelle unterstützen mehrere Filamente in einem Druckprozess durch Mischdüsen oder mehrere Düsen für je ein Filament. Auch bei manchen Einstiegsmodellen kann man Module dazu kaufen, die das ermöglichen. Aber: Mehrfarbendrucker sind eine massive Verschwendung von Material und Zeit, machen den Prozess unnötig kompliziert und sind für Einsteiger überflüssig. Der Grund ist, dass bei den meisten Druckern die Düse bei jedem Farbwechsel erst gespült werden muss, was Filament unnötig verbraucht und Müll entstehen lässt. Wenn man ein mehrfarbiges Teil wünscht, kann man es später immer noch im Nachhinein mit Acrylfarbe anmalen. Oder Einzelteile jeweils mit verschiedenen Farben drucken und dann danach zusammenbauen.

Filament-Typ: Der Drucker sollte PLA und PETG verarbeiten können. Das ist bei den meisten aktuellen Einsteigergeräten ohnehin der Fall.

Ansteuerung: Ein Display am Drucker ist praktisch, ebenso wie die Möglichkeit, per Netzwerk oder App auf das Gerät zuzugreifen. Auch dies ist bei den meisten aktuellen Geräten Standard.

Lautstärke: Je nach Aufstellungsort sollte man die Lärmangaben beachten. Zum Beispiel der Creality Ender 3 V3 KE erzeugt bei moderater Geschwindigkeit (150 mm/s) einen Geräuschpegel von etwa 42 Dezibel in einem Meter Entfernung. Das ist sehr angenehm und wird vermutlich auch von Nachbarn nicht als störend empfunden.

Computer: Um die Druckdaten (Slicer) aufzubereiten, wird ein Computer benötigt. Ob eine reine Bedienung per Mobilgerät-App ausreicht, kann ich nicht sagen, auch nicht ob es sowas überhaupt gibt. Ich selbst nutze das nicht. Ein PC oder Laptop ist sicher komfortabler nutzbar, weshalb ich mich dafür entschieden habe. Weitere Details dazu sind im Abschnitt «Drucken mit dem 3D-Drucker» zu finden.

Installation des 3D-Druckers

Das Folgende basiert auf meinen Erfahrungen mit meinem Druckermodell, lässt sich jedoch auf die anderen Geräte sinngemäss übertragen.

Standort: Die Vorbereitung beginnt, noch bevor das Gerät selbst aufgebaut ist: Wo kommt der Drucker hin? Damit der Druck stabil bleibt und keine Vibrationen entstehen, sollte der Drucker auf einem schweren, stabilen Tisch stehen. Je höher und schmaler ein Tisch, desto stärker neigt er zum Wackeln. Ein schmaler Bartisch auf einem einzelnen Standbein wäre z. B. eher ungeeignet. Ich habe mich für einen flachen Salon-Tisch mit einer breiten Bodenfläche entschieden und darunter eine Antivibrationsmatte gelegt. Eine Alternative könnte sein, den Tisch mit einer Winkelhalterung direkt an der Wand zu befestigen, um maximale Stabilität zu gewährleisten.

Druckermontage: Der Zusammenbau war unkompliziert und in 30 bis 60 Minuten allein erledigt. Das Gerät macht einen robusten Eindruck, alles Zubehör und die Anleitungen sind enthalten. Die Montageanleitung ist zwar nicht perfekt ins Deutsche übersetzt, aber dennoch verständlich. Es ist zum Glück auch kaum möglich, etwas falsch zusammenzubauen. Beim Werkzeug zeigt sich jedoch der Sparfuchs-Ansatz des Herstellers: Das mitgelieferte Werkzeug ist – sorry – besserer Schrott. Man kann damit arbeiten, aber es macht keinen Spass. Da ich kein gut sortiertes Werkzeug Zuhause hatte, habe ich mir einen kleinen Werkzeugkoffer mit den nötigsten Teilen gekauft. Das lohnt sich für die Montage und wie auch für spätere Wartungsarbeiten.

Inbetriebnahme: Der erste Start verlief sehr einfach. Alles zusammenstecken, Filament einlegen und den ersten Testdruck  eines vorinstallierten Modells vom mitgelieferten USB-Stick starten. Auch die Anbindung per WLAN ans Netzwerk funktionierte problemlos. Schön wäre es gewesen, wenn man die IP-Adresse manuell hätte festlegen können. 

Enclosure/Hülle: Eine geschlossene Hülle ist besonders wichtig, wenn man mit PETG drucken will, um eine gleichmässige Temperatur zu gewährleisten und das Objekt vor Zugluft zu schützen. Aber auch für PLA finde ich es empfehlenswert: Sie schützt vor Staub, dämpft den Geräuschpegel minimal, ist oft feuerresistent und verfügt über vorgegebene Kabeldurchlässe sowie Seitentaschen für Werkzeuge. 

Licht: Der Nachteil ist, dass eine Hülle die Arbeitsumgebung verdunkelt. Natürlich kann man beim Hersteller des Druckers nun teure Lampen kaufen. Ich habe mir stattdessen einen LED-Lichtstreifen gekauft und diesen horizontal an die Innenwände der Hülle geklebt. Das Ergebnis ist eine perfekte, gleichmässige Ausleuchtung, die weit günstiger war als die speziellen Lampen des Herstellers.

Kamera-Überwachung: Nicht alle Einstiegsgeräte bieten die Möglichkeit, eine Kamera anzuschließen. Eine Kamera ist zwar auch eher ein «Nice-to-have» als eine Notwendigkeit, ermöglicht aber die Fernüberwachung des Drucks, wenn sich der Computer in einem anderen Raum befindet. Leider kann man nicht immer frei die Kamera wählen, bei Creality-Druckern muss man zum Beispiel eine spezifische, vom Hersteller angebotene Kamera kaufen. 

Software: Die Software-Einrichtung ist meist simpel. Das entsprechende Programm wird von der Herstellerseite heruntergeladen und installiert. Anschliessend muss man den Drucker im Netzwerk suchen lassen und die Verbindung herstellen. Das alles ist absolut sicher, einfach und fehlerfrei, wie das so ist, wenn man eine Software installiert… *hust* 

Der erste Testdruck

Optimierung/Justierung des 3D-Druckers

Um die optimale Druckqualität zu erreichen, gibt es theoretisch Dutzende von Einstellungen, die man anpassen könnte. Zum Glück ist eine umfassende Optimierung für den Einstieg heutzutage nicht mehr zwingend erforderlich. Diese Feinjustierungen können jederzeit später vorgenommen werden, sobald man mit dem gesamten Druckprozess vertraut ist. Für den Start (und man möge die Provokation der Druck-Profis entschuldigen, deren Blutdruck bei diesem Satz vielleicht in den vierstelligen Bereich schiesst) reichen die Standardeinstellungen völlig aus. 

Sollte die Druckqualität jedoch wirklich unbefriedigend sein, können Sie immer noch mit den vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten experimentieren. Der erste Schritt ist meist die Bestimmung der optimalen Drucktemperatur für das genutzte Filament.

Wartung und Unterhalt des 3D-Druckers

Damit ein 3D-Drucker langfristig zuverlässig arbeitet, sind ab und zu ein paar einfache Massnahmen notwendig. 

Filamentwechsel: Zum Drucken muss das Filament in den Drucker eingelegt werden. Theoretisch soll man PLA-Filamente im Drucker lassen können, da sie angeblich unempfindlich gegen Luftfeuchtigkeit seien. In der Praxis kann ich das nicht bestätigen. Nach ein paar Wochen im Drucker verschlechterte sich die Druckqualität merklich. Deshalb nehme ich das Filament nach jedem Druck heraus und lagere es in einer luftdichten Plastikbox mit Silikagel-Beuteln (Trocknungsmittel). So kann man problemlos mehrere Farben zu Hause vorrätig halten und je nach Bedarf und Laune wechseln. Der Filamentwechsel  ist das A und O beim 3D-Druck. Auch wenn der Wechsel nicht schwierig ist, war es für mich ein Nervenkitzel, weil ich Angst hatte, was falsch zu machen. Umso wichtiger, dass man bewusst den Wechsel zwischen verschiedenen Farben übt. Die korrekte Vorgehensweise ist in der Regel in der Bedienungsanleitung des Druckers beschrieben.

Reinigung: Viel reinigen ist nicht nötig. Nach jedem Druck wird das gedruckte Teil und die restlichen Filamentreste von der Platte entfernt. Druckprofis empfehlen oft die Reinigung mit Isopropanol. Das ist schnell, sicher und praktisch für den «Akkordbetrieb»  um direkt weiterdrucken zu können. Dieser Tipp stammt jedoch aus einer Zeit, als Drucker noch manuell und zeitaufwendig kalibriert werden mussten. Für den Heimgebrauch reicht es die Druckplatte alle 10 bis 15 Druckaufträge mit lauwarmem Wasser und einem Abwaschmittel von Hand zu reinigen. Nun die Platte gründlich trocknen lassen, bevor der nächste Druck startet.  Das entfernt Fettspuren und Verunreinigungen sogar besser als mit Isopropanol (Doch!).

Ersatzteilwechsel: Fast alle modernen Drucker sind modular aufgebaut. Der Austausch von Teilen wie Lüftern oder Düsen ist einfach. Die grösste Hürde ist oft nicht die Technik, sondern die Angst, etwas kaputt zu machen, was ebenso oft unbegründet ist. Wer Schrauben lösen und anziehen kann, meistert auch jeden Wechsel, auch wenn ein gutes Werkzeugset von Vorteil ist. Es gibt auch massenhaft Videotutorials im Internet. Der Aufbau ist meistens so konzipiert, dass man kaum etwas falsch montieren kann. Man muss damit Rechnen, dass Teile mit der Zeit verschleissen und ersetzt werden müssen. Das Überwinden der eigenen Unsicherheit ist ein Teil des Hobbys.

Schmieren und Fetten: Der Drucker hat bewegliche mechanische Teile, die bei Bedarf geschmiert werden müssen. Ein Quietschen oder Knarren deutet auf trockene Führungen hin. Der 3D-Drucker hat mechanische Teile und es kann sein, dass man die manchmal etwas einschmieren muss. Das ist daran zu merken, dass es anfängt zu quietschen. Bei meinem Drucker fährt die Druckplatte auf Rollen über zwei Schienen und alle zwei Wochen begann es zu quietschen, bis ich nachfettete. Ich habe mir dann ein anderes Schmierfett für ein paar Franken gekauft, gefettet und seitdem ist Ruhe – und das seit über einem halben Jahr. Habe ich schon erwähnt, dass das mitgelieferte Zubehör manchmal Schrott sein kann?

Drucken mit dem 3D-Drucker – Die Druckvorlage

Ich möchte endlich drucken: Wie gehe ich vor? Wie gelangt man von einer Idee zum 3D-Objekt? 

Was drucke ich?

Diese Frage nach dem Zweck ist –offensichtlich — zentral. Ein 3D-Drucker ist zwar spannend und faszinierend, aber ohne konkrete Druckziele wird er schnell zu einem teuren Staubfänger. Die Anzahl der benötigten Chips für Einkaufswagen ist bekanntlich begrenzt. Mögliche Anwendungsgebiete sind bewegliche Spielzeuge und Gadgets, die flexibel gedruckt werden und ohne Zusammenbau direkt beweglich sind. Aber auch Alltagshelfer wie  Batterie-Aufbewahrungsboxen, Kabelclips, Werkzeughalter, Schubladen-Organizer,Ersatzteile für Geräte oder schlichte geometrische Vasen sind ebenso beliebt wie Modelle aus Popkultur und Gaming: Figuren, Gadgets und Requisiten aus bekannten Film-Universen (z. B. Star Wars, Marvel) oder Videospielen, sowie Teile für Cosplay. 

Ob Dekokram oder nützliche Helfer, der Möglichkeiten gibt es viele.

Wie finde ich meine 3D-Druckvorlage?

Hat man eine Idee, sucht man zunächst mit einer Suchmaschine nach einem 3D-Modell. Viele sind kostenlos, einige kosten etwas. Die 3D-Druck-Community ist sehr aktiv und stellt fortlaufend neue Modelle auf diversen Plattformen bereit. Nicht jede 3D-Datei ist für den 3D-Druck geeignet. Manche Modelle dienen nur der Visualisierung am Computer. Die Qualität kann schwanken, da nicht jeder Modellierer gleich talentiert ist, insbesondere bei kostenlosen Angeboten. Ein gewisses Ausprobieren ist unumgänglich. Die Dateien werden meist als STL-Datei (selten als 3MF) angeboten. Dies ist der Standard für 3D-Druckmodelle. Die maximale Druckgrösse eines einfachen, kleinen 3D-Druckers liegt meist bei ca. 20 cm pro Seite. Grössere Objekte müssen in mehreren Schritten separat gedruckt und später zusammengefügt werden.

Bekannte Plattformen sind z.B.: 

  • Printables (von Prusa): Grosse Community, hochwertige Modelle, 100 % kostenlos, Sehr gute Dokumentation
  • Thingiverse (von UltiMaker): Älteste und grösste STL‑Bibliothek weltweit, Millionen Modelle, Qualität schwankt
  • Cults3D: Mischung aus kostenlosen & Premium‑Modellen, Viele Designer, hohe Qualität, Ideal für Cosplay & Kunst
  • MyMiniFactory: Jede Datei wird geprüft, garantiert druckbar, Sehr beliebt für Miniaturen
  • MakerWorld (von Bambu Lab): Neue, extrem schnell wachsende Plattform, Perfekt für Bambu‑Lab‑Nutzer (Profile integriert)
  • Fab365, Komplett kuratierte Designs (keine «Community‑Flut», sondern ausgewählte Modelle). Starker Fokus auf druckoptimierte Konstruktion.

Ich gebe bewusst keine Empfehlung ab, welche die beste Plattform ist. Zum einen nutze ich primär eine Suchmaschine, um entsprechende Vorlagen zu suchen. Zum anderen, wenn man schon die 3D-Druck-Plattformen direkt abklappert, empfiehlt es sich, auf mehr als einer zu suchen und dann zu vergleichen. Mal findet man hier ein gutes Modell, mal anderswo.

Eine 3D-Druckvorlage selber erstellen

Für viele sind die vorhandenen Modelle im Internet ausreichend. Wer jedoch eigene Druckvorlagen erstellen kann, hat natürlich sehr viel mehr Möglichkeiten. Es gibt verschiedene kostenlose 3D-Modellierungsprogramme, die jedoch unterschiedliche Lernkurven haben. Ein Beispiel ist Blender, ein bekanntes, kostenloses Programm mit enormen Möglichkeiten. Es kann Anfänger jedoch aufgrund der komplexen Funktionsvielfalt schnell überfordern. Auch das professionelle Programm Autodesk Fusion hat für Privatanwender eine kostenlose Lizenz.

Tinkercad: Wer eine einsteigerfreundliche Gratis-Alternative sucht, wird bei Tinkercad fündig. Tinkercad bietet ein relativ einfaches Werkzeug für die Gestaltung eigener einfacher 3D-Modelle, läuft komplett im Webbrowser und es ist keine Installation nötig. Aber lasst euch von «einfach» nicht täuschen. Jedes komplexe Modell besteht nämlich aus vielen einfachen Teilen und mit etwas Geduld kann man auch hier tolle Sachen erstellen, personalisiert auf die eigenen Bedürfnisse. Das integrierte Tutorial lässt einen das Programm schnell erlernen. Bestehende STL-Dateien können importiert und teilweise bearbeitet oder ergänzt werden.

Mit Tinkercad lassen sich einfach, basierend aus vielen kleinen einfachen geometrischen Figuren, eigene 3D-Modelle erstellen.

Drucken mit dem 3D-Drucker – Der Slicer

Da ein 3D-Drucker eine STL-Datei, die lediglich als geometrische Flächenansammlung im Raum definiert ist, nicht direkt verarbeiten kann, wird diese durch eine sogenannte Slicer-Software in einen detaillierten, zeilenweisen Maschinencode (G-Code) übersetzt, der die Maschine animiert, exakte Parameter wie Temperatur, Geschwindigkeit, Position, Filamentmenge und Beschleunigung für jede einzelne Bewegung der Düse zu kennen, wobei eine manuelle Nachbearbeitung dieses Codes für den Einstieg zwar theoretisch möglich, aber aufgrund der automatisierten Funktionen moderner Slicer völlig unnötig ist.

Der Slicer macht den G-Code

Obwohl 3D-Drucker-Hersteller oft eigene Slicer-Software bereitstellen, ist die Nutzung dieser Lösungen nicht zwingend die beste Wahl, da Drittanbieter-Software häufig überlegene Funktionen und eine breitere Community-Unterstützung bietet. 

Der derzeit populärste und am weitesten verbreitete Slicer ist Ultimaker Cura, der in der Praxis oft höhere Druckqualität und eine intuitivere Bedienbarkeit aufweist als viele herstellerspezifische Alternativen, wie etwa der Creality Print Slicer. Dies liegt unter anderem daran, dass Cura über einen deutlich grösseren Funktionsumfang verfügt und die meisten technischen Anleitungen sowie Fehlerlösungen in der Community spezifisch auf Cura zugeschnitten sind. Zwar können theoretisch alle Slicer denselben G-Code erzeugen, doch variieren die zugrundeliegenden Algorithmen für Pfadplanung, Stützstruktur-Generierung und Temperatursteuerung erheblich, was direkte Auswirkungen auf die Druckqualität, die Stabilität des Drucks und die benötigte Druckzeit hat. 

Druckaufträge, die mit Cura erstellt wurden, zeigen oft eine höhere Präzision und weniger Fehleranfälligkeit, auch wenn die Druckdauer aufgrund von vorsichtigen Einstellungen für Kühlung und Beschleunigung länger ist. Für Einsteiger ist es zum Glück nicht notwendig, alle Dutzenden verfügbarer Einstellungen zu beherrschen; die voreingestellten Standardprofile reichen in der Regel aus, um bereits sehr gute Ergebnisse zu erzielen. 

Nach dem Slicen kann die fertige G-Code-Datei an den Drucker übermittelt werden, sei es direkt per Netzwerk (WLAN/LAN), über einen Browser, mittels eines physischen Speichermediums (USB-Stick/SD-Karte).

Nützliche Einstellungen im Slicer

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Einstellungen im Slicer vorgestellt. Da der Ablauf je nach Slicer-Software und verwendetem Material variiert, gibt es keine feste, universelle Anleitung. Stattdessen werden im Folgenden die wichtigsten Parameter erläutert und deren Funktion kurz beschrieben.

Drucktemperatur

Die korrekte Drucktemperatur ist das A und O beim 3D-Druck. Diese wird vom Filament-Hersteller meist bereits empfohlen und ist ein guter Ausgangspunkt. Um die optimale Temperatur für das spezifische Filament im eigenen Drucker zu ermitteln, empfiehlt sich ein Temperatur-Turm-Druck. Dabei wird ein Turm gedruckt, dessen Schichten stufenweise bei unterschiedlichen Temperaturen ausgegeben werden. Anschliessend lässt sich beurteilen, bei welcher Temperatur der Druck am besten aussieht, am wenigsten Fäden zieht und wo Brückenlagen nicht durchhängen. Im Cura-Slicer steht im Marketplace das Plugin «Auto Towers» bereit, das die Erstellung eines solchen Temperatur-Turms automatisiert.

Druckgeschwindigkeit

Je schneller gedruckt wird, desto schneller liegt das Druckergebnis in den Händen – das ist logisch. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Druckprobleme vermieden oder behoben werden können, indem man langsamer druckt. Das liegt daran, dass bei niedrigeren Geschwindigkeiten die mechanische Belastung und das Wackeln des Druckkopfs deutlich reduziert werden. In meinem Fall ist die typische Druckergeschwindigkeit gemäss Hersteller theoretisch 300 mm/s, in der Praxis nutze ich jedoch maximal 150 mm/s, meist sogar nur 100 mm/s als Standard. Die Angabe der Druckgeschwindigkeit kann zudem irreführend sein: Ein Druck mit 100 mm/s dauert nicht dreimal so lange wie einer mit 300 mm/s, da eine Vielzahl weiterer Geschwindigkeiten eine Rolle spielt. Dazu zählen die Bewegungsgeschwindigkeit im Leerlauf, die Geschwindigkeit für Füllmuster oder die erste Schicht sowie vor allem die Beschleunigung, die für Richtungswechsel und das Erreichen der Zielgeschwindigkeit verantwortlich ist. Wird die Druckgeschwindigkeit reduziert, werden diese Einstellungen in der Regel automatisch angepasst. Fazit: Langsames Drucken bedeutet weniger Probleme und eine bessere Druckqualität.

Stützstrukturen

Stützstrukturen sind ein entscheidender Punkt beim Druck und erfordern oft einiges an Experimentieren; gelegentlich ist auch die Lektüre entsprechender Tutorials ratsam. Zur Erklärung: Ein 3D-Drucker kann nicht ins Leere drucken. Zwar kann er Brücken (Bridging) über einige Zentimeter spannen, doch beim Drucken von Überhängen stösst er an seine Grenzen – auch wenn moderne Drucker hier erstaunlich viel leisten. Bei meinem Modell sind Überhänge bis zu 51° noch ohne Stützen druckbar. Ich gehe jedoch auf Nummer sicher und setze bei Überhängen ab 45° Stützstrukturen ein. Diese lassen sich im Slicer meist ein- und ausschalten und bieten zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten. Oft sind diese Einstellungen nicht zwingend nötig, doch beim Druck eigener Modelle kommt man oft nicht drum herum, sich damit auseinanderzusetzen. Nach dem Druck können die Stützstrukturen entfernt werden, und das Modell ist fertig. Tipp: Das fertige Modell sollte nicht zu eng von Stützstrukturen umgeben sein. Beispiel: Bei einem stilisierten Baum, dessen Krone gestützt wird, sollte die Stützstruktur nicht eng am Stamm entlanglaufen. Das Entfernen wäre dann extrem mühsam, da kaum Ansatzpunkte vorhanden sind. Im Slicer lassen sich Stützstrukturen anpassen oder gezielt an bestimmten Stellen deaktivieren. Wie das genau funktioniert, hängt vom jeweiligen Slicer ab – damit wird man sich jedoch auseinandersetzen müssen.

Zwei 3D-Modelle, dargestellt in Cura-Slicer, in Türkis eingeblendet die Stützstrukturen

Schichtdicke und Wandbreite – Die Auflösung des Models

Eine Standarddüse hat einen Durchmesser von 0,4 mm. Dieser Wert definiert die Breite einer Filamentbahn. Die Schichthöhe lässt sich hingegen variieren: Mein Drucker unterstützt Schichthöhen von 0,12 bis 0,2 mm, theoretisch sind sogar 0,1 mm möglich. Je niedriger die Schichthöhe eingestellt wird, desto höher ist die Auflösung des Modells. Allerdings erhöht sich die Druckzeit deutlich, und es steigt die Gefahr, dass die Düse bei leicht wackelnden Modellen (z. B. an der untersten Schicht) kratzt und das Modell umstösst. Für 0,1-mm-Schichten benötigt man daher eine sehr stabile Grundfläche und eine langsame Druckgeschwindigkeit. Für die meisten Alltagssachen drucke ich mit 0,2 mm Schichthöhe, da hier ein gutes Ergebnis bei akzeptabler Geschwindigkeit erreicht wird. Diese Einstellungen setzen der maximalen Auflösung Grenzen: Extrem filigrane Modelle (z. B. nadelöhrdünn) lassen sich damit nicht drucken. So ist in der Abbildung gut erkennbar, dass bei dem dünnen Schwert der Drucker an seine Leistungsgrenzen kam.

Füllung (Infill)

Ein gedruckter Würfel muss nicht massiv aus Filament bestehen. Stattdessen wird er mit einem Füllmuster (z. B. einem Gitter) versehen, sodass nur 10-25% des Volumens aus Material bestehen; der Rest ist Luft. Das reicht in der Regel völlig aus. Es gibt den Mythos, dass man für stabilere Modelle die Füllrate erhöhen sollte. Das ist jedoch selten nötig. Wer ein stabileres Modell benötigt, erhöht besser die Wandstärke um eine Schicht. Das ergibt effizientere und stabilere Ergebnisse. Eine Füllrate von mehr als 25% ist praktisch nie erforderlich. Ich selbst nutze für Alltagsdruckerzeugnisse fast immer 15% bei Modellen die stabiler sein sollen 25%.

Füllmuster (Infill Pattern)

Es gibt mittlerweile ein Dutzend verschiedener Füllmuster, jedes mit Vor- und Nachteilen. Ich empfehle persönlich das Gyroid-Muster: Ein dreidimensionales, sich wellenförmig überlagerndes Muster, das sich durch gleichmässige Festigkeit in alle Richtungen, organische Formen und hohe Materialeffizienz auszeichnet. Besonders vorteilhaft ist, dass es keine überlappenden Linien aufweist, die bei sehr kleinen Schichthöhen mit der Düse kollidieren und Hügel bilden könnten.

Glättung

Eine nützliche, wenn auch zeitaufwändige Funktion ist das Glätten oder die automatische Entfernung von Stützstrukturen. Dabei werden obere, gerade Flächen besonders sorgfältig behandelt. Diese Funktion sollte man in Betracht ziehen, falls sie im eigenen Slicer noch nicht aktiviert ist.

Ausrichtung des 3D-Druckmodells

Im Slicer lässt sich die Ausrichtung des Druckobjekts anpassen. Modelle, die aus externen Quellen stammen, sind meist bereits optimal orientiert. Bei eigenen Modellen lohnt sich jedoch eine bewusste Platzierung. Das Modell sollte gut auf der Druckplatte haften, also einen möglichst grossen, flachen Bodenkontakt haben. Oberflächenstrukturen sollten sich idealerweise oben oder an denSeiten befinden. Die Qualität von Strukturen in unteren Schichten ist oft weniger detailreich.

Rundungen oder gekrümmte Flächen sind nach meiner Erfahrung besonders problematisch und sollten, wenn möglich, so positioniert werden, dass die Rundung nicht auf der Platte liegt, selbst wenn dies auf Kosten der Stabilität geschieht.

Ein klassisches Beispiel ist der Druck eines Zylinders: Legt man einen Zylinder horizontal ab, erfordert die Überbrückung der unteren Halbkugel zwingend Stützstrukturen. Da der 3D-Druck schichtweise erfolgt, entstehen an diesen Überhängen oft unebene Oberflächen. Zudem ist die Schichtauflösung an den gekrümmten Seitenflächen bei liegender Orientierung oft ungleichmässig, was zu sichtbaren Stufen führen kann.

Druckt man den Zylinder hingegen vertikal (stehend), entfallen Stützstrukturen vollständig. Alle Wandlinien verlaufen dann in der gleichen Ebene und besitzen durchgehend die gleiche Dicke. Dies führt zu einer deutlich gleichmässigeren Oberfläche, sprich schöne glatte Wände, die in einem Guss gedruckt werden, während dies bei einem liegenden Modell diese Wände in verschiedenen Ebenen/Schichten passiert. Die Herausforderung besteht hierbei in der Haftung am Druckbett, weil die grössere Gefahr besteht, dass es umfällt. Verwirrend? Ich versuche das mit folgenden Illustrationen noch besser darzustellen:

Sowohl die Darstellung im Slicer wie auch der Ausdruck: Links stehender, rechts liegender Zylinder.

Drucken mit dem 3D-Drucker – Der Druck

Sobald der Slicer den Maschinencode (G-Code) erstellt hat, beginnt der eigentliche Druckprozess.

Der Drucker wird eingeschaltet, mit dem Filament bestückt und die G-Code-Datei an das Gerät übertragen. Bevor der Druck gestartet wird, ist eine Kalibrierung des Druckbettes zu empfehlen, um eine optimale Haftung zu gewährleisten. Ein 3D-Druck dauert in der Regel mehrere Stunden, komplexere Modelle können deutlich länger in Anspruch nehmen. Nach Abschluss des Vorgangs kann das fertige Modell von der Druckplatte entfernt werden.

Falls sich das Teil nicht sofort lösen lässt, empfiehlt es sich, einige Minuten zu warten, bis die Druckplatte vollständig abgekühlt ist. Durch die thermische Ausdehnung und Kontraktion der Materialien löst sich das Objekt dann meist problemlos.

Trotz einer abbröckelnden Stützstruktur, war das Resultat dann Einwandfrei.

Druckprozess, mit Ansicht des Füllmusters.

Nachbearbeiten des 3D-Drucks

Das gedruckte Modell lässt sich je nach Anforderung nachbearbeiten, wobei für den Einstieg oft der Zustand direkt aus dem Drucker ausreicht.

Schneiden: Kleine Fäden, Unebenheiten und Reste von Stützstrukturen lassen sich mit einem Skalpell oder einer kleinen Zange präzise entfernen.

Schleifen: Die Oberfläche kann mit Schleifpapier (z. B. bei PLA) geglättet werden. Bestimmte Materialien wie ABS können zudem mit Lösungsmitteln wie Aceton chemisch geglättet werden. Während diese Techniken im professionellen Bereich weit verbreitet sind, sind sie für Einsteiger nicht notwendig. Meine persönlichen Erfahrungen mit mechanischem Schleifen waren mässig erfolgreich, was aber eventuell an mir liegen könnte. Das fertige Produkt aus dem 3D-Drucker reicht für meine Bedürfnisse aber allemal aus.

Kleben: Für den Zusammenbau mehrerer Einzelteile ist oft eine spezielle Klebetechnik erforderlich. Herkömmliche Sekundenkleber haften auf PLA oft unzureichend. Hier hat sich bei mir die Verwendung von speziell für PLA gedachten Sekundenklebern als einzig zuverlässige Methode erwiesen.

Bemalen: Die meisten Druckmaterialien, insbesondere PLA, lassen sich hervorragend mit Acrylfarben oder Acrylstiften nachträglich bemalen.

Workflow des 3D-Drucks

  • Idee – Was drucke ich?
  • Beschaffen/Erstellen der Vorlage als STL-Datei
  • Importieren der STL-Datei in den Slicer
  • Allenfalls Anpassungen wie Stützstrukturen im Slicer vornehmen
  • Mit dem Slicer den G-Code exportieren
  • G-Code an den 3D-Drucker senden
  • Drucken
  • Nachbearbeiten
  • Sich am Ergebnis erfreuen… oder sehen, was noch nicht geklappt hat und einen neuen Versuch starten.
  • Bei gutem Ergebnis: Allen Bekannten das Produkt unter die Nase reiben und damit prahlen.

Anbei ein Beispiel, wie man relativ einfach von einer Idee zu einem druckfähigen Modell gelangt. Dies ist kein Tutorial, sondern eine Visualisierung der Möglichkeiten und des Vorgehens. Um Tinkercad zu lernen, empfiehlt sich das integrierte Tutorial innerhalb der Anwendung – es vermittelt schnell alle grundlegenden Funktionen.

Die folgende Darstellung zeigt, wie aus einer einfachen Idee eine druckfähige Datei entsteht: Ein kleines 3D‑Druckmodell wird in Tinkercad mithilfe einfacher geometrischer Formen erstellt. Das Ziel ist ein kleiner Abfallbehälter für 3D‑Druckreste. Hier sieht man die Vorbereitung für den Druck des Behälters; nach demselben Prinzip wird später auch der Deckel konstruiert und gedruckt.

Kosten

Laufende Kosten: Die laufenden Kosten für den privaten 3D-Druck sind überschaubar. Weder steigen die Stromkosten signifikant an, noch ist ein unverhältnismässiger Filamentverbrauch zu verzeichnen. Mit einer 1-kg-Spule Filament (ca. 18 Franken) lässt sich bereits eine beachtliche Menge an Objekten drucken. Zwar werden im Laufe der Zeit Verschleissteile ersetzt werden müssen, doch schätze ich die monatlichen Gesamtkosten bei moderater Nutzung auf weniger als 25 Franken. Diese Einschätzung wird sich jedoch erst langfristig bestätigen müssen.

Anschaffung: Um den Druck zu starten, sind im Minimum ein Drucker (ca. 200 Franken) und eine Spule Filament (ca. 18 Franken) erforderlich. Schon kann es losgehen. Da jedoch oft Optimierungen und zusätzliche Ausrüstung gewünscht sind, habe ich meine tatsächlichen Anschaffungskosten hier aufgelistet. Bitte beachte, dass dies eine individuelle Aufstellung ist und nicht alle Positionen zwingend notwendig sein müssen. Die folgende Übersicht soll als Orientierungshilfe dienen.

Material Kosten in CHF

1x 3D-Drucker, Creality Ender-3 V3 KE

228

1x Enclosure (Hülle)

55

1x Antivibrationsmatte

30

1x Salontisch

55

1x Werkzeugkofferset

60

1x Feilenset

15

3x Filament, 1kg pro Farbe

54

1x Live-Kamera Nebula

39

2x Silikagel-Säckchen, 10x30g

32

1x PLA-Sekundenkleber

7

2x Luftdichte Aufbewahrungsbox, gross, Filamente

70

1x Luftdichte Aufbewahrungsbox klein. Zubehör

25

1x Led-Stripes für die Beleuchtung

14

1x Schmierfett

10

1x Verlängerungskabel mit Zusatzschalter 

15

Total: CHF 709

Luftdichte Zubehörbox, mit eingelegten Silikagel-Säckchen gegen die Luftfeuchtigkeit.

Glossar

  • Bridging: Bezeichnet die Fähigkeit eines FDM-Druckers, frei schwebende Strecken zwischen zwei Punkten ohne den Einsatz von Stützstrukturen (Support) zu überbrücken
  • Druckbett: Ein Druckbett (auch Bauplatte, Druckplatte oder Build Plate genannt) ist die ebene Oberfläche eines 3D-Druckers, auf der das Objekt Schicht für Schicht aufgebaut wird. Es dient als Fundament für den Druckprozess und ist meist beheizt.
  • Encasement/Enclosure: Ein «Encasement» ( auch Enclosure genannt) ist im 3D-Druck ein Gehäuse, das den 3D-Drucker rundum abdeckt. Vor allem beim Drucken mit Materialien wie ABS ist eine konstante, warme Umgebung wichtig, damit die Schichten gut aneinander haften und das Teil sich nicht verzieht. Zugluft kann so nicht an das Modell gelangen, und die Umgebungstemperatur bleibt gleichmässig. Ein Gehäuse kann auch die Geräusche des Druckers dämpfen.
  • Extruder: Der Extruder ist die Komponente, die für das Fördern und Dosieren des Filaments verantwortlich ist. Er ist gewissermassen das Herz des Materialzuführungssystems und bringt das Filament in das Hotend.
  • Filament: Ein Filament ist der Draht aus Kunststoff, der als Ausgangsmaterial beim FDM-3D-Druck verwendet wird. Es wird in einer Rolle geliefert und von einem Extruder in die Druckdüse gefüttert.
  • G-Code: Der G-Code (Geometric Code, Maschinencode) ist die standardisierte Programmiersprache, mit der CNC-Maschinen, einschliesslich 3D-Druckern, gesteuert werden. Er besteht aus einer Liste von textbasierten Befehlen, die der Maschine exakt mitteilen, wie sie sich bewegen, welche Temperaturen sie halten und wann sie Material extrudieren muss.
  • Hotend: Das Hotend ist der zentrale, hitzebeständige Teil eines FDM-3D-Druckers, der für das Aufschmelzen und Dosieren des Filaments verantwortlich ist. Im Inneren des Hotends wird das Filament durch einen Heizer (Heating Block) und einen Heizkartusche auf eine spezifische Temperatur gebracht (z. B. 200-260 °C, je nach Material), bis es flüssig wird.
  • Infill: Ein Infill (Füllstruktur) bezeichnet im 3D-Druck das innere Gittermuster eines Objekts, das zwischen der äusseren Wand (Perimeter) und der Oberfläche liegt. Da die meisten 3D-Druckobjekte nicht komplett massiv gedruckt werden, dient das Infill dazu, das Teil stabil zu machen, ohne unnötig viel Material und Zeit zu verschwenden.
  • Nozzle: Die Nozzle (deutsch: Düse) ist die kleinste, aber entscheidende Komponente am Ende des Hotends eines 3D-Druckers. Sie ist der Teil, durch den das geschmolzene Filament austritt und schichtweise auf dem Druckbett abgelegt wird, um das 3D-Objekt zu formen.
  • Slicer: Ein Slicer ist eine Software, die 3D-CAD-Dateien (meist im STL- oder 3MF-Format) in Befehle für den 3D-Drucker umwandelt. Da der Drucker keine 3D-Modelle direkt verstehen kann, zerlegt der Slicer das Modell virtuell in hunderte oder tausende hauchdünner 2D-Schichten und berechnet für jede einzelne Schicht die genauen Steuerungsdaten.
  • STL-Datei: Das STL-Format ist ein wichtiges Dateiformat für den 3D-Druck und die Computertechnik. Eine STL-Datei besteht aus miteinander verknüpften Dreiecken, die die Oberflächengeometrie eines 3D-Objekts oder -Modells beschreiben. (STL=Stereolithografie oder Standard Triangle Language).
  • Stringing: Stringing ist ein häufiger Fehler beim 3D-Druck, bei dem sich dünne, fadenartige Kunststoffstränge zwischen den einzelnen Druckteilen oder an nicht verbundenen Stellen des Modells bilden.
  • Warping: Warping ist ein häufiger Defekt beim 3D-Druck, bei dem sich das gedruckte Objekt während des Abkühlungsprozesses von der Druckplatte löst und nach oben oder zur Seite krümmt. Dies passiert, weil sich das geschmolzene Filament beim Abkühlen zusammenzieht (thermische Kontraktion). Wenn sich die unteren Schichten schneller abkühlen und zusammenziehen als die oberen Schichten, entstehen innere Spannungen. Wenn diese Kräfte stärker sind als die Haftung des Materials auf dem Druckbett, hebt sich das Teil an den Ecken oder Kanten ab.

Danksagung

Eine riesengrosses Danke an die beste und tollste Nerderlei, die mir beim korrigieren und mit viel Zuspruch geholfen hat – und immer wieder hilft, einfach schon nur, weil es sie gibt und die auch meine hyperaktiven Phasen erträgt und ausserdem rasch die benötigten CSS-Codes aus dem Ärmel schüttelt.

Sie hat auch einen sehr lesenswerten Blog unter www.nerderlei.de und betreibt, zusammen mit mir, einen  Blog mit Fokus auf Gesundheitshemen: www.nerdhealth.de

(Und egal wie toll sie korrigiert, ich schaffe es immer Fehler vorbeizuschmuggeln oder neu reinzubringen.)

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