Nastja – Die bloggende Mox

Von Kanon, Freiheit und mehr Kunst

Ausgehend von einem interessanten Thread von @Artist2be42 stellten sich mir ein paar Fragen und Gedanken. Abgeschlossene, aufeinander aufbauende Folgen in Filmuniversen oder unabhängige Filmstücke welche keine Rücksicht auf Vorgänger nehmen— was ist überzeugender? Das eine wirkt kausal stimmig, das andere ermöglicht dafür Kunst?Frau am Mikrofon im Scheinwerferlicht, Screenshotaus demSpiel Cyberpunk 2077

Die Gedankenanregung war dieser Thread:

Ich verstehe jeden Fan, der sich plausible, immersive Geschichten oder ganze Universen wünscht, Welten, die nach einem Schema, einem Kanon aufgebaut sind. Das ist cool, das ist interessant, man kann fachsimpeln und es erfreut das Nerdherz. Aber auf Dauer?

Irgendwann geraten die Macher in eine Zwickmühle. Entweder liefern sie immer dasselbe im neuen Kleid, ohne wirkliche Innovation oder Weiterentwicklung. Oder sie versuchen mit erzählerischen Tricks künstlich Spannung zu erzeugen. Dann werden Multiversen bemüht, Tote kehren zurück, alternative Zeitlinien werden konstruiert, nur um die Geschichte irgendwie in den Kanon hineinzumurksen und plausibel erscheinen zu lassen. Einige dieser Superheldenuniversen sind inzwischen so aufeinander aufgebaut, das es schwer ist noch durchzublicken, wenn man nicht alle Teile gesehen hat. Kann das auf Dauer funktionieren? Doch egal was produziert wird: Es kann nichts neues geben, wenn man sich strikt an die selbst gemachten Vorgaben halten und dadurch jede abweichende Idee unterdrücken muss. Wer Neues will, muss aus den bestehenden Rahmen ausbrechen!

Auch Star Wars macht davor nicht halt. Darth Maul hat inzwischen eine Wiederbelebungs-Flatrate, und „Somehow Palpatine returned“. Dabei ist das Star-Wars-Universum gross genug für andere Geschichten — auch ohne Jedi, wie Andor gezeigt hat: mit neuen Gesichtern und neuer Atmosphäre.

Und Batman? Nehmen wir an, man definiert einen einzigen Film als Batman-Säule. Natürlich könnte man dann zig Filme über Kämpfe gegen andere Bösewichte drehen. Die könnten sogar gut sein… aber am Ende bleibt es ein Bandwurm, der Altes recycelt. Ähnlich bei den Rocky-Filmen: Für manche mögen sie spannend sein, aber schon ab Teil 3 war der Reiz des Neuen verflogen. Das Publikum wollte nur noch das bekannte Schema — und bemängelte es gleichzeitig.

Matrix Teil 4? Habe ich nie gesehen. Vielleicht ist er ja gut, aber für mich hat er keinen Reiz mehr. Weil ich nichts grundlegend neues dazu erwarte. Es fehlt die Spannung und der einzige Grund den anzugucken wäre aus Nostalgischen Gründen da.

Aber was wäre, wenn wirklich mehr Interpretationen gedreht würden? Wenn man Raum für künstlerische und kreative Freiheit liesse? Wenn man auch die Fans aus ihrem gemütlichen geistigen Eckchen drängen und ihre Vorstellungen herausfordern würde?

Der Film Joker wurde genannt: eine grandiose Charakterstudie eines Menschen, der vielleicht nicht einmal der Joker ist. Man kann den Film mögen oder nicht, aber er ist anders. Erfrischend neue Themen, bis hin zur Frage, inwiefern die Gesellschaft selbst einen Joker erschafft.

Ist der Film gut? Schlecht? Egal. Kunst ist er allemal. Und ein Meisterwerk — gerade weil er sich nicht an ein fixes, bestehendes Batman-Universum bindet.

Auch der Film Thunderbolts* ist ein Beispiel dafür, wie man sich erfolgreich aus der selbstgesetzten Umklammerung befreien kann. Hier hat man sich einem Thema gewidmet, das man nachfühlen kann, es hat eine Message mit Substanz die uns bewegt. Hier wurde kreativer Raum geschaffen und nur so können einzigartige Werke entstehen.