Nastja – Die bloggende Mox

Nastja – The blogging Mox

Gezeichnete Katze mit einseitigen Audio-Cideo-Headset

«Weltuntergang  jetzt!»

Ernste Verhandlungen mit einem durchgeknallten Militär-Typen: Dafür brauchts kompetente Profis. Eine Cyberpunk-Kurzgeschichte von Nastja, der Mox.

Publiziert am 30.5.2020 im Cyberpunk-Forum.com im Rahmen eines Foren-RPG-Spiels mit 3 Forenfraktion (Corpos, Nomads und Streetkids). Die Geschichten dienten als Propagandatexte und ab Teil 2 ist immer eine Filmanspielung dabei.

Weibliche Kämpferin mit messer in der Hand in den nächtlichen Badlands

Irgendwann, irgendwo in den Badlands.

«Siehst du diese Höhlen bei den Felsen da vorne? Dort findest du ihn» meint Francis zu mir, während er in die entsprechende Richtung deutet. «Colonel Klein war früher bei einer paramilitärischen Einheit irgendeiner grossen Corporation. Dann ist er während eines Patrouillenfluges angestürzt. Naja, seitdem hat er eine Schraube locker. Er hat sich einen Kreis loyaler, fanatischer Anhänger um sich geschart, welche ihn wie einen Gott verehren und hat sich in diesem Teil der Badlands festgesetzt. Er ist verrückt wie eine sambatanzende Schnecke auf einem rostigen Rasiermesser und gefährlich, aber wenn jemand den Auftrag erfüllen kann dann du. Etwa 2 Stunden Fussmarsch, dann bist du dort. Einfach geradeaus. Du weisst du ja, was du dann zu tun hast.» Er lächelt mich mit einer Mischung aus Hoffnung, Resignation und Schicksalsergebenheit. «Leider können wir nicht hinfahren und auch niemanden mit dir senden» erklärt Francis unnötigerweise «Colonel Klein ist ziemlich paranoid. Er lässt auf alles das Feuer eröffnen, was ihm nur ansatzweise suspekt vorkommt. Und wir dachten, niemand sieht harmloser aus als du und hat deshalb so grosse Chancen…»

«Kein Problem» beruhige ich ihn. Ich bin geschmeichelt und habe den letzten Satz nicht ganz mitbekommen. «Das schaffe ich locker. Schön dass endlich mal jemand meine Fähigkeiten erkennt. Ich werde mich dank meiner diplomatischen Diplomantie und meiner einfühlenden Konversations-dings locker zu ihm durchschwatzen können und dann alles regeln. Glaubst du, ich sehe professionell genug dafür aus?»

Francis hat wohl etwas Staub in die Lunge gekriegt aber sobald sein Hustenanfall sich gelegt hat, mustert er mich. Angefangen von den neongrünen kniehohen Plateauboots welche bei jedem Schritt leise Klingeln wie ein Glockenspiel bis hin zur Kopfbedeckung, welche mangels eines besseren Begriffes als riesiger, pinkfarbener, Plastiksombrero mit blau blinkender Hutkrempe bezeichnet werden kann. Ziemlich cool, oder?

Etwa 5 Stunden Später bin ich dort. Ich habe mich ein wenig verlaufen und brauchte deshalb etwas länger, aber das kann ja vorkommen. Abgesehen davon verlief die Reise ereignislos. Als ich dort war, wurde ich sofort freundlich empfangen. Die Anhänger des Typen waren wohl ziemlich High von irgendwelchem Stoff, die mussten dauernd kichern, wenn sie mich sahen. Auf jeden Fall wurde ich zügig in die Höhle geführt. In einer kaum beleuchteten Kammer, treffe ich dann auf den ehemaligen Corpo-Soldat. Es ist ziemlich dunkel dort drin und ich sehe nur die Silhou.. Sillua.. also die Umrisse von dem Typen. Ich könnte zwar die Sonnenbrille ablegen, aber da mein Mascara durch den schweisstreibenden Fussmarsch verschmiert ist, würde das sicher unprofessionell wirken.

Er lässt mich gar nicht zu Wort kommen und legt gleich los.

«Sind Sie ein Mörder?» fragt er mich

«Was? Nein, Ich bin eine Botin der Nomads..»

«Weder noch» unterbricht er mich. «Sie sind ein Laufmädchen, von Corpos geschickt, die Rechnung vorzulegen!»

Er beugt sich vor und schon fast flüsternd sagt er zu mir: «Das Grauen. Das Grauen hat ein Gesicht. Und man muss sich das Grauen zum Freund machen. Das Grauen und der moralische Terror sind deine Freunde. Falls es nicht so ist, sind sie deine gefürchteten Feinde. Als ich bei den Corpos war…
Wir gingen in die Badlands, um einige Kinder zu impfen. Wir verließen das Lager, nachdem wir die Kinder gegen Corona19 geimpft hatten. Da kam ein alter Mann hinter uns hergelaufen, und er weinte… Wir gingen in das Lager zurück. Sie waren inzwischen gekommen und hatten jeden geimpften Arm einfach abgehackt. Sie lagen auf einem Haufen … Und ich erinnere mich, wie ich schrie, ich weinte wie ein altes Waschweib. Ich wollte mir die Zähne herausreißen, wusste nicht mehr, was ich tun wollte. Und ich will mich daran erinnern. Ich will es niemals vergessen. Ich will niemals vergessen.
Und dann war mir, als würde ich durchbohrt, durchbohrt von einer diamantenen Kugel, direkt durch die Stirn. Und ich dachte, mein Gott, diese Schöpferkraft, dieses Genie dieser Wille, das zu vollbringen. Vollkommen, unverfälscht, vollendet, kristallen, makellos. Und dann wurde mir klar, dass sie viel stärker als wir waren. Weil sie alles ertragen konnten. Das waren keine Ungeheuer, geschulte Einheiten. Diese Männer, die mit ihrem Herzen kämpften, die Familien haben, Kinder, die erfüllt sind von Liebe. Dass sie die Kraft haben, die Kraft, das zu vollbringen. Wenn ich aus solchen Leuten bestehend zehn Divisionen hätte, dann wären wir unsere Sorgen hier rasch los. Denn dazu gehören Männer, die Überzeugungen haben. Und die dennoch imstande sind, ohne Hemmungen, ihre ursprünglichen Instinkte einzusetzen, um zu töten. Ohne Gefühl, ohne Leidenschaft. Vor allem ohne Strafgericht, ohne Strafgericht. Denn es ist das Strafgericht, was uns besiegt..»

Langsam geht mir das ganze auf den Keks. «Jetzt hör aber mal auf, General Kurz, oder wie du schon wieder heisst. Chill mal runter!» sage ich entnervt «Mir ist ja egal was für ne Meise du hast oder was du dir so reinziehst um auf deinen Trip zu kommen (auch wenn es nur höflich wäre den Gästen auch was anzubieten). Dein Psychogelabber kannst du dir sonstwohin stecken, ich hab keinen Bock deine Psychotante zu spielen oder dir deine Beichte abzunehmen. Ich bin aus einem bestimmten Grund da.»

Sichtlich aus dem Konzept gebracht fragt mich der Typ nur irritiert: «Äh.. was?»

* Lange Verhandlungen später*

«Alles klar» sage ich, als ich Tags darauf zu Francis zurückkehre. «Der Deal ist gebongt. Ein frische Tankladung für alle Fahrzeuge und 20 Fässer Brennstoff obendrauf im Tausch gegen 2 Container Toilettenpapier und 2 Kisten Selbstgebrannten. Ich hab ja gesagt ich bin die geborene Diplokratin.»

Nomads: Hier offenbaren sich die verborgensten Talente, denn hier kann man sich frei entfalten!

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Novelle