Nastja – Die bloggende Mox

Nastja – The blogging Mox

Gezeichnete Katze mit einseitigen Audio-Cideo-Headset

Das unheimliche Wesen aus einer fremden Fabrik

Eine unheimliche Entdeckung und eine irre Künstliche Intelligenz. Alltag halt. Eine Cyberpunk-Kurzgeschichte von Nastja, der Mox.

Publiziert am 17.7.2020 im Cyberpunk-Forum.com im Rahmen eines Foren-RPG-Spiels mit 3 Forenfraktion (Corpos, Nomads und Streetkids). Die Geschichten dienten als Propagandatexte und ab Teil 2 ist immer eine Filmanspielung dabei.

Geduckte Gestalt vor einem umzäunten Lagerhaus

Irgendwann, irgendwo in den Badlands.

Als unser Konvoi gerade durch die Badlands donnerte, sahen wir im Nordosten ein Blinklichtsignal. Irgendein ein Morsecode, aber da keiner von uns das Morsealphabet kannte, half uns das leider auch nicht weiter und wir beschlossen es einfach zu ignorieren. Ausser Dallas, seine Neugier war entfacht und er beschloss nachzusehen. In einem alten Tesla-Jeep setzte er sich von der Nomad-Gang ab. Naja und ich auch. Als Dallas mich gefragt hat, ob ich Lust auf eine kleine Spritztour hätte… sagen wir mal so: Wenn ich gewusst hätte, dass der wirklich auf Erkundungstour geht und es keine Ausrede für andere Aktivitäten sein sollte, dann würde ich jetzt nicht in raffinierter Spitzenunterwäsche unter dem Overall unterwegs sein, die bei längerer Fahrt in einem überhitzten Rumpelgefährt an gewissen Körperregionen doch sehr piekst und juckt.

Nach einer Stunde Fahrt sind wir am Ziel, der Abend bricht bereits an. Direkt in den Felsen eines Hügels eingelassen, fanden wir eine grosse, mächtige Panzertür. Darüber die blinkende Lampe, deren Signal wir von weitem gesehen hatten. Die Panzertür ist sehr mächtig, es gibt keine Möglichkeit die zu knacken, aufzusprengen oder sonst wie von aussen zu öffnen. Was für ein Glück, dass es nicht nötig ist, da sie bereits weit offensteht. Möglicherweise von den Leuten geöffnet die nach draussen fliehen wollten? Ihre zerfetzten Überreste liegen noch auf der Schwelle. «Ach du scheisse» sagte Dallas «Da hat aber jemand Hackfleisch aus denen gemacht».

Ich muss wohl nicht betonen, dass ich diesen Vergleich alles andere als passend empfinde. Betrachtete man nämliche die herausgerissenen Fleischfetzen genauer, dann würde ich eher auf Gulaschgrösse tippen.

Wir bewaffnen uns. Sogar ich bekomme eine kleine Pistole, obwohl mir die Nomads – seit dem kleinen Unfall vor ein paar Wochen – eigentlich verboten haben, eine Schusswaffe anzufassen. Vorsichtig gehen wir rein. In der grossen dunklen Halle stehen Fahrzeuge, oder was davon übrig ist. Ausgebrannt, zerfetzt und manche noch rauchend. Der ganz Boden glitzert und funkelt von den Patronenhülsen welche in der ganzen Halle zerstreut sind und in den Blutlachen liegen. Und Leichen überall. Irgendwelche Militärs oder so, auf jeden Fall in voller Kampfmontur, schwer bewaffnet und mit massig Wetware aufgerüstet. Und voller Löcher in den Körpern.

«Heftiger Kampf! Schauen wir mal am Terminal ob uns die Lager-KI sagen kann was da passiert ist, dann hauen wir besser ab.» meint Dallas flüsternd und geht an ein in der Wand eingelassenes Terminal. Noch bevor er dort angekommen ist, erwacht es zum Leben und eine Grüne Schrift erscheint auf dem dunklen Hintergrund.

***Fehlfunktion E40**

«Ach was haben wir denn da?» fragt Dallas laut. Sofort erscheint die Antwort als Text auf dem Terminal.

***Ich bin ‚MU/TH/UR 6000‘ , KI des Entsorgungslager XVI von R&D-PinappleSystems, du kannst mich ‚Mutter‘ nennen.***

«Na dann, , was zur Hölle ist hier passiert?» will Dallas wissen.

***14:35:14 Frachtanlieferung zur Demontage und Entsorgung von Zentrale***
***14.51:12 Frachtcontainer entladen***
***15:11:47 Bewaffneter Sicherheitstrupp anwesend, bereit für Öffnung des Frachtcontainers***
***15:12:15 Frachtcontainer geöffnet, Fracht beginnt Angriff auf Anwesende***
***15:21:44 Alle Personen in der Eingangshalle getötet, Feuererwiederung durch schwere Waffen der Sicherheitstruppen wirkungslos***
***15:50:07 Alle Personen im Erdgeschoss durch Fracht neutralisiert***
***16:22:10 Durchbruch der Fracht auf untere Ebenen. Sämtliche Defensivsystem aktiviert.***
***17:02:59 Sämtliche Lebewesen des Entsorgungslager XVI von R&D-PinappleSystems neutralisiert. Fracht unversehrt***

«Was für ‘ne Scheiss-Fracht war denn das?» fragt Dallas entgeistert nach kleiner Überlegenspause.

***Streng geheimer Prototyp einer neuen Kampfmaschine, Cyborg-Reptil-Hybrid. Eine Züchtung aus über 20 verschiedenen Kaltblütler-DNS, aufgerüstet mit modernster Wetware und schwerer Flex-Panzerung. Energieversorgung mit Prototyp-Fusionszellenakku. Nicht kontrollierbarer Organismus, muss demontiert werden***

«Wenn das so geheim ist warum erzählst du uns das so einfach?» frage ich misstrauisch dazwischen.

***Weil ihr alle sterben werdet, ihr werdet keine Gelegenheit haben, jemandem davon zu erzählen. Mit einer Wahrscheinlichkeit vom 98.7% hat er euer Ankommen registriert und ist unterwegs hierher. Sie können nicht vor Ihm fliehen, es ist schneller als jedes Fahrzeug. Sie können es nicht töten. Sie scheinen immer noch nicht verstanden zu haben, womit sie es zu tun haben: Mit einem perfekten Organismus. Nur seine Feindseligkeit übertrifft noch seine perfekte Struktur.***

«Bewunderst du das Ding etwa?» frage ich erstaunt.

***Ich bewundere seine konzeptionelle Reinheit: Geschaffen um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld oder Wahnvorstellung ethischer Art. Sie haben keine Chance, aber sie haben mein Mitgefühl.***

Genervt schaltet Dallas das Terminal aus indem er mit seiner Knarre die terminallichter wegpustet «Und was jetzt?»

«Hmm» ich überlege « Es ist ein Prototyp mit einem Prototyp-Akku, wo also ist das Problem?»

Dallas schaut mich ungläubig ab. «Das Problem?» schreit er und verliert die Contenance ein wenig «Wo das verfickte Problem ist? Das ist etwas hier, das alles und jeden zu Hackfleisch verarbeitet!»

«Zu Gulasch» werfe ich ein «Gulasch passt besser. Ausserdem. Naja, es ist ein Prototyp, also eine Art Alpha-version. Ihr wisst doch wie das ist bei den neuen Sachen. Man macht irgendein High-Tech-Superding, alle möglichen Extras, um die Investoren zu beeindrucken und dann stellt man fest, dass man nicht genügend Energieleistung einbauen kann. Um nicht das Gesicht zu verlieren verschweigt man das und deshalb ist bei jedem Prototyp nach 1-2 Stunden der Akku leer.»

Ungläubig starrt Dallas mich an «Du hast ja ‘nen Knall.»
In dem Moment fällt etwas von der Decke und laut scheppernd auf den Boden. Sieht aus wie eine Mischung aus einer Gottesanbeterin, einem Staubsauger und einem Thermomix. Seine mit unzähligen blutigen Klingen versehenen Gliedmassen zucken noch etwas, dann kommt es zu Ruhe und bewegt sich nicht mehr.

«Okay» sage ich etwas beschämt «Dieses Ding hat etwas länger durchgehalten als erwartet. Glück gehabt, aber ist ja nichts passiert. Aber wir sollten nun zurück gehen, ich glaube es gibt Gulasch zum Abendessen.»

Aus einem mir unerklärlichen Grund, schaut Dallas mich nur ungläubig an und stampft dann davon. War er sauer? Warum? Auf meine Nachfrage brummt er nur etwas von «Irrer gefühlskalter Psychopathin». Das beantwortet zwar nicht meine Frage, aber ich bin beeindruckt, wie er so rasch das Geschlecht dieses Dings erkennen konnte.

Die Rückfahrt dauert etwas länger aufgrund eines kleinen Unfalls mit der Pistole, aber es ist nur ein Streifschuss und ich bin sicher es heilt bei Dallas rasch wieder.

Nomads: Regeln für die anderen, Freiheit für uns! Und eine gehörige Portion Glück und Abgebrühtheit!

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Novelle