Nastja – Die bloggende Mox

Nastja – The blogging Mox

Gezeichnete Katze mit einseitigen Audio-Cideo-Headset

«Voight-Kampff-Test» 

Eine psychologische Untersuchung offenbart viel, und dies nicht nur über die Patientin. Eine Cyberpunk-Kurzgeschichte von Nastja, der Mox.

Publiziert am 30.3.2021 im Cyberpunk-Forum.com im Rahmen eines Foren-RPG-Spiels mit 3 Forenfraktion (Corpos, Nomads und Streetkids). Die Geschichten dienten als Propagandatexte und ab Teil 2 ist immer eine Filmanspielung dabei.

Liebes Tagebuch

Manchmal ist das Leben Scheisse. Die 2 Pillen sind doch mehr eingefahren, als ursprünglich gedacht. Ich habe Kopfweh, bin müde, mir ist übel, meine Zunge fühlt sich an wie ein modriger Teppich und ich habe keine Ahnung, wo ich genau bin und wie zum Teufel ich hierhergekommen bin. Ich glaube ich bin in irgendeinem Spital oder so und liege auf einer Untersuchungspritsche, der Kopf voller Pflaster mit Kabeln dran die in einem Cyberdeck verschwinden.

«Alles klar?» Fragt mich eine sehr hagere Frau mittleren Alters im weissem Kittel, welche neben meiner Liege steht freundlich. «Wir haben nur ein paar Fragen um zu schauen wie es Ihnen geht, Miss, das geht ganz schnell. Haben Sie das verstanden?»

Das ist dann wohl schon die erste Frage und ich sollte nun besser rasch was Intelligentes antworten. «Hä? Was?» sage ich.

«Nun… wir fangen einfach mal an. Übrigens ich Dr. Ricarda und nur für die Akten: Wie heissen Sie und wie alt sind Sie?» fragt mich die Doktorin.

Mein Kopf schmerzt alles dreht sich. Was will die von mir? «Hä? Was? Nastja. Und so 20. Oder 25. Sicher keine 30. Glaube ich zumindest.»

Ricarda seufzt leise. «Bitte konzentrieren sie sich jetzt, Miss und antworten sie frei aus dem Bauch raus.» Ricarda liest die erste Frage von einer Liste ab. «Sie wandern alleine durch die Wüste und treffen auf eine Chelonie…»

«Hä? Was?» unterbreche ich irritiert.

«Eine Schildkröte.» erklärt Ricarda geduldig. «Sie wissen was Schildkröten sind, oder? Also da liegt eine auf dem Rücken auf ihrem Panzer. Der prallen Sonne ausgesetzt und unfähig sich zu wenden und zu bewegen. Warum helfen Sie der Schildkröte nicht?»

Was für ne dämliche Frage. «Na weil ich wegrenne, natürlich!»

«Oh? Und warum rennen Sie weg?» fragt sie mich erstaunt.

«Hallooo?» Die hat ja auch keine Ahnung, Grossstadttussie halt. «Ein wildes Tier in der Wüste? Soll ich mich beissen lassen oder was? Und dann ist es vielleicht noch giftig? Erst auf harmlos machen und wenn man es anfasst – Zack! Dann kippt man um und wird Schildkrötenfutter! Ne, nicht mit mir, bin ja nicht blöd!»

Dr. Ricarda nimmt das mit ungerührter Mine zur Kenntnis und geht kommentarlos zur nächsten Frage: «Nennen Sie mir was Schönes im Zusammenhang zu ihrer Mutter.»

Woher kennt die meine Mutter? Nicht mal ich weiss ja noch sicher wer das war! Und was positives? Ich überlege kurz und sage dann: «1000 Eurodollar!»

«Wie bitte?» fragt Ricarda etwas perplex.

«Sie ist früh abgehauen.» erkläre ich. «Ich bin sicher, sie schuldet mir über die Zeit mindestens noch ‘nen 1000er Taschengeld. Sagen Sie ihr das!»

«Das war nicht das, was ich mit positiv meinte, als ich…» sagt die Doktorin.

Ich unterbreche sie. «Nicht positiv? Hey, also für mich ist ‘nen 1000er sehr positiv. Finden Sie es ist zu viel? Dann halt 500, aber keinen Eddie weniger!»

«Nun gut, vielleicht…» meint sie immer noch mit ausdrucksloser Mine.

«Okay, okay, 300 Eddies, aber weiter runter geh ich nicht mehr!» rufe ich dazwischen.

«Wir gehen zur nächsten Frage!» sagt Dr. Ricarda bestimmt. «Sie bekommen von ihrem Freund zum Geburtstag eine Kalbsledertasche geschenkt. Wie rea…»

Das finde ich nun doch sehr seltsam. «Hä? Was?Woher weiss der wann ich Geburtstag habe? Das weiss ich doch selber nicht? Und wer soll der Freund sein? Ich habe keinen Freund! Warum erstellen Sie mir einen Freund zu haben, wenn es doch nicht stimmt. Was wollen Sie mir da andichten?»

Ricarda holt einmal tief Luft, bevor sie sehr langsam und beherrscht sagt: «Wenn sie einen Freund hätten, der einfach so eine Kalbsledertasche schenkt, würden…»

«Ist er reich und schön? Oder nur reich? Er ist kein Valentino oder so oder? Ich mag die Ganger nicht. Und er sollte nicht zu viele runzeln haben, und kein künstlicher Schwanz. Das finde ich nämlich zu unnatürlich. Ausserdem, einfach so? Niemand schenkt einfach so irgend was, will er mich flach legen? Dafür bräuchte er doch…»

«Danke, das reicht.» Unterbricht mich die Weisskitteltussie mich schon wieder. Verfickte, unhöfliche Schnepfe! «Nächste Frage: Sie gehen spazieren und eine Wespe landet auf ihrem Arm…»

PANIK!!!

20 Minuten später habe ich mich beruhigt und liege wieder verkabelt auf der Pritsche. Auch wenn ich der Beteuerung, dass es sich nur eine ausgedachte Wespe handelte, nur bedingt glaube.

Die Doktortussie fängt auch gleich schon mit den Fragen fort. «Konzentrieren Sie sich! Sie nehmen an einem Bankett teil.» Bevor ich was sagen kann erklärt sie «Das ist ein Essen mit vielen Leuten! Und es gibt gekochten Hund!»

«Was für ein Hund?» frage ich.

Aus einem mir unerklärlichen Grund wird Ricarda etwas lauter: «Es spielt keine Rolle was das für ein verfickter Hund ist!»

«Doch!» wiederspreche ich. «Hyäne schmeckt nur grilliert, gekocht schmecken die wie…»

«ES IST EIN 2-JÄHRIGER LABRADOR MIT NAMEN FIDO UND GRÜNEN AUGEN!» schreit sich mich auf einmal an. Was hat die denn? «AUSSERDEM KANN ER TANZEN UND… UND…»

Voller Ekel schaue ich sie an «Sie würden einen Labrador essen? Sie sind ja krank! Pervers! Und anschreien müssen Sie mich deswegen auch nicht!»

Sie stösst einen lauten Schrei aus, dreht sich um und verlässt das Zimmer.

«Hey, sie schulden mir noch die 200 Eddies Taschengeld von meiner Mutter!» rufe ich ihr nach, aber sie kommt nicht zurück. «Komische Leute hier» murmle ich und schliesse die Augen.

Ich bin müde und werde erstmal ‘ne Runde pennen.

Gute Nacht!

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Novelle