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Gezeichnete Katze mit einseitigen Audio-Cideo-Headset

Das Bewerbungsgespräch

Potentielle Bewerberinnen und Bewerber für eine Stelle bei einem Megakonzern müssen sich schon früh dem Schrecken eines Bewerbungsgespächs stellen.

Wütende Managerin hinter dem Schreibtisch stehend. Screenshot aus dem Spiel Cyberpunk 2077

Die Personalerin, oder korrekter die Recruitment-Assessment-Junior-Assistant-Managerin (RAJAM) von Biotechnica NC, wirft einen scharfen Blick auf den Bewerber, der etwas eingeschüchtert vor ihrem blitzblanken Schreibtisch sitzt. Auch wenn sie nur eine Körpergrösse von 158cm aufweist hätte niemand, der in ihren kalten, harten stahlblauen Augen blickt, es gewagt sie zu unterschätzen, wenn er oder sie auch nur einen Funken Verstand und Menschenkenntnis besitzt.

«Also… Steven» sagt sie mit abschätzigem Unterton, während sie das Dossiers des Bewerbers in ihrer virtuellen Sich betrachtete. «Wir haben hunderte von Bewerbern für ein Ausbildungsstipendium bei Biotechnica. Wir nehmen nur die besten und wenn ich Ihre Testergebnisse ansehe, bezweifle ich, dass Sie dazugehören.» Sie seufzt. «Aber na gut. Warum wollen Sie zu Biotechnica?»

Steven grinste etwas unsicher, räuspert sich und sagt «Ähm.. Also Ma’am, ich… also Biotechnica ist ein weltweit führender Konzern und mach gleichzeitig was gutes für de Menschheit. Also wegen Nahrung, Protein und so. Und es wäre toll, wenn ich da, ich meine es wäre mir eine Ehre, wenn ich mithelfen…»

«Jaja, ich fang gleich an zu weinen!» unterbricht die RAJAM ihn unwirsch. «Gehen Sie mir nicht so Standard-Bewerbungs-Schwachsinn auf die Titten. Mir ist klar, dass sie sich bei uns bewerben, weil wir im Gegensatz zu anderen Firmen für ein Stipendium nur eine 15-Jährige Arbeitsverpflichtung verlangen. Also haben Sie wenigsten die Eier und seien Sie so ehrlich, oder bist sind Sie eine Memme? Sowas können wir hier nicht brauchen!»

Sichtlich irritiert und eingeschüchtert weiss Steven nicht mehr was er nun sagen soll.

«Also gut, Steven» seufzt die RAJAM resigniert «Versuchen wir es andersrum. Warum sollten wir gerade Sie wollen? Sie sind nur viertbester ihres Jahrgangs, wir brauchen nur die Besten.»

«Also Ma’am, ich … hätte, ich könnte …» stottert Steven los, während die RAJAM nur ungeduldig mit den Augen rollt. «Ich bin der beste, aber weil ich keine Unterstützung habe, also nicht Ausrüstung und noch einen Job machen muss und so, da wäre ich, also ich meine mit einem Stipendium wäre ich sicher der beste, weil ich mich dann ganz aufs lernen konzentrieren könnte.»

«Bescheidenheit ist nicht gerade ihre Stärke, was? Und Sprachgewandtheit wohl auch nicht. Naja gibt schlimmeres, bei der Geschmacksoptimierung unserer Tenebrio-Produkten ist das ja auch nicht nötig.» sagt die RAJAM. «Was wollen Sie bei uns erreichen?»

Sichtlich ermutigt grinst Steven «Also Ma’aam, ich will natürlich Karriere machen, Chef der Night City Abteilung oder so… weil ich …»

Den Blick, der die RAJAM ihm zuwirft lässt ihn verstummen. Mit kalter Stimme sagt sie «Willst du damit sagen, du willst auch mein Chef werden oder was? Was soll das? Denkst du, du könntest mir dann an die Wäsche oder bist du einfach nur ein Idiot? Glaubst du wirklich, dass dies deine Chancen hier erhöht?»

Mit einer Geste winkt sie erst ihrem Assistenten Liam, der in einer Ecke sitzend stumm dem Gespräch beiwohnte, deutet dann auf Steven und dann zur Tür. «Danke fürs Gespräch, wir melden uns.»

2 Minuten später ist die RAJAM mit ihrem Assistenten Liam alleine im Büro. «Weisst du, Liam, in letzter Zeit finden sich echt nur Scheissverlierer hier ein.»

«Vielleicht», wagt Liam einzuwenden «sind 12-jährigen einfach noch nicht reif genug?»

«Jaja» meint die RAJAM ohne richtig zugehört zu haben. «schwing deinen Knackarsch und hol mir endlich meinen verfickten Kaffee! Dann bring die nächste Bewerberin rein»! Sie holt sich bereits das nächste elektronische Dossier in ihre virtuelle Sicht. «B. Harmon, 11 Jahre alt, Waise, gilt als Genie weil sie mal ein Schachturnier gewonnen hat. Das kann ja heiter werden …»

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