Nastja – Die bloggende Mox

Nastja – The blogging Mox

Gezeichnete Katze mit einseitigen Audio-Cideo-Headset

«Spiessrutenlauf in Night City»

Oft geht vergessen, dass hinter all den aufgerüsteten Körpern in Night City ein Mensch mit einer Geschichte steht, der nur versucht über die Runden zu kommen.

Frau auf einem Markt in Night City an einem Fast-Food-Stand. Screenshot aus dem Spiel Cyberpunk 2077.

Sie wird heftig durchgeschüttelt in der Night City Metro, welche ruckelnd durch Night City braust. Scheint als sind eine ganze Reihe der magnetischen Stabilisatoren hinüber, ebenso wie der Grossteil der Klimaanlagen im Wagon. Kein Wunder, wenn man alles tot spart. Trotz des Wackelns, der Schläge und des Ruckelns kann zumindest niemand umfallen, dafür stehen alle zu eng aneinander gepfercht. Bei Temperaturen über 35° ist dies allerdings ein schwacher Trost ist. Die Hälfte der Anwesenden scheint den Kampf gegen die Hitze von vornherein aufgegeben zu haben und auf Deo jeglicher Art verzichtet zu haben, die andere Hälfte hat soviel eingesprüht, dass der Parfumduft beissend schwer in der Luft liegt. Sie weiss nicht, welche der daraus resultierenden Ausdünstung schlimmer ist, aber für die Linderung ihrer Kopfschmerzen ist sicher keines von beidem förderlich. Beim nächsten Ruckler spürt sie schon wieder kurz eine tastende Hand an ihrem Hinterteil. Nicht das erste mal, dass jemand diese Gewackel als Ausrede dazu nimmt. Aber alles nichts im Vergleich zu den Kopfschmerzen, die von ihrem rechten Auge ausströmen und über die ganze Schädeldecke ziehen.

Die nächste Haltestelle, die Metro hält. Sie kämpft sich durch die Menschen im Wagon, die  keinen Platz machen und ebenso durch die Menschen,  welche sich rücksichtslos in den Zug  quetschen, ohne vorher andere aussteigen zu lassen. Mit dem Einsatz von Schultern und Ellbogen kämpft sie sich durch, bis sie auf dem Bahnsteig steht. Ihr künstliches Hüftgelenk blockiert und ihr Bein wird taub. «Verdammtes Billig-Ding» flucht sie leise. Sie hat es von ihrem Arbeitgeber bekommen, nachdem  bei ihrem Arbeitsplatz in der Spedition ein Verladeroboter einen Systemausfall hatte und statt einem Container ihr Becken packte. Natürlich das billigste Modell, alles andere hätte sie selber bezahlen müssen. Sie haut wütend mit der Faust ein paar Mal drauf, es quietscht und die Blockade löst sich langsam. Ein Ellbogen trifft sie unsanft im Kreuz. «Blockier mal nicht den Weg, hier wollen noch andere durch!», giftet ein sehr verlebt aussehender Typ im schlechten Anzug, drückt sie zur Seite und eilt weiter, nicht ohne ihr vorher noch einen vernichtenden Blick zugeworfen zu haben. Sie humpelt weiter, ohne darauf einzugehen. Auch das Gefühl im Bein kommt langsam wieder. 

Der einzige Vorteil des Unfalls in der Spedition war, dass sie in die QS-Abteilung versetzt wurde. Leichtere Arbeit, minimal bessere Bezahlung und viel mehr Stress. Das Arbeitssoll zu erreichen war kaum möglich, ohne Aufrüstung. Also nahm sie das Angebot des Arbeitgebers an. Ein zusätzlicher Neuralport und ein Augenimplantat. Natürlich von Klish, dem Billiganbieter. Ein Kiroshi hätte sie selber bezahlen müssen. Das war vor 3 Monaten. Seit 3 Monaten hatte sie nun Kopfschmerzen, welcher der firmeneigene Ripperdoc  als psychosomatisch deklariert.

Sie ist auf dem Weg nach Haus, mit einem tränenden Auge. Auch ein angeblich psychosomatisches Symptom. Wenigstens muss sie Zuhause nicht mehr kochen. Seit ihr Exmann mit den beiden Kindern abgehauen ist, lebt sie alleine. Sie beschliesst einen kleinen Umweg zum Markt, um was zu Essen zu holen und sich dann zu Hause hinzulegen.

Am Seiteneingang des Marktes steht ein älteres Seniorenpaar, die sich streiten und gegenseitig anschreien. Sie hat das Gefühl, als würden die Schreie wie eisige Messer in ihren Kopf dringen. Mit ihren Jumbo-Rollatoren mit eingebauten Einkaufswagen blockieren sie den Eingang. «Dürfte ich mal bitte durch» fragt sie genervt. Sogleich wenden sich ihr beide der Angesprochenen erbost zu. «Denken Sie die Strasse gehört Ihnen oder was?», «Was mischen Sie sich überhaupt hier ein?», «Gehen sie doch anderswo rein» und noch viel mehr wird ihr an den Kopf geworfen. Entschlossen schiebt sie kurzerhand die Jumbo-Rollatoren und das Seniorenpaar grob zur Seite und geht weiter, verfolgt von dem empürten, schrillen Gekeife des alten Paares.

Verdammte Kopfschmerzen. Und zu allem Unglück fängt die Zoomfunktion ihres Auges an wie wild rein- und raus zu zoomen. Ihr wird schlecht. «Verdammtes Billig-Ding» flucht sie leise und atmet tief durch, bis sich das Auge wieder beruhigt. Die Kopfschmerzen werden nicht besser und sie sieht alles mit einem leichten roten Schleier. «Stehst hier nur rum oder was? Kaufen oder gehen?» blafft der Verkäufer am Kleidungsstand sie an, an dem sie stehen geblieben ist. «Fick dich doch!» brummelt sie leise und geht weiter. 

Da! Ein Fast-Food-Stand. Irgendwelche Spiesse mit irgendwas drauf. Keine Ahnung was, ist auch egal. Hauptsache was in den Magen und dann nach Hause. Vor Schmerz kann sie kaum deutlich reden, also hebt sie nur 2 Finger und deutet dann auf die Spiesse. Die Verkäuferin reicht ihr zwei davon auf einem sehr billigen schmutzigen Pappteller. «Danke, macht 23 Eddies» sagt die Verkäuferin monoton. Sie autorisiert die Überweisung. Nichts passiert. «Na wird’s bald?» meint die Verkäuferin unwirsch. Ein neuer Versuch, nichts passiert. «Verdammtes Billigding» flucht sie leise und sucht in Ihren Taschen nach Kleingeld. «Hey, was solln das? Willste mich bescheissen oder was? Ich brech dir’n Knie wennde mich abzock’n willst!» meint die Verkäuferin aggressiv.

Da spürt sie eine Hand auf der Schulter, die sie unsanft umdreht und steht einem Polizisten gegenüber. «NCPD, Ma’am», sagt er überheblich «würden Sie bitte mitkommen? Wir haben eine Meldung, dass Sie ein Seniorenpaar tätlich angegangen sind und ihre Rollatoren demoliert haben»

«Verdammte Kopfschmerzen» flüstert sie leise.

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N54 – Kurznachrichten 

«Heute Abend wurde am Cherry-Blossom-Markt ein Cyberpsycho-Angriff vermeldet, welcher erst durch ein massives Max-Tac-Aufgebot beendet werden konnte. Der genaue Tathergang ist noch unklar. Es soll mehrere Tote und Verletzte gegeben haben, auch 2 Streifenpolizisten sind unter den Verletzten. Das NCPD hat jedoch bereits uneingeschränkte  Unterstützung zugesichert und wird sämtliche Kosten für die benötigten Klish-Augenimplantate ihrer Officers übernehmen. Eine anonyme Quelle aus der NCPD-Forensik meinte nur , es sei sehr “interessant”, was man mit 2 Grillspiessen alles anstellen könne. Wir bleiben für sie am Ball.. und es geht weiter mit den Wetterprognosen.»

Danksagung

Eine riesengrosses Danke an die beste und tollste Nerderlei, die mir beim korrigieren und mit viel Zuspruch geholfen hat – und immer wieder hilft, einfach schon nur, weil es sie gibt. Sie hat auch einen sehr lesenswerten Blog unter www.nerderlei.de

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